Nationale und internationale Unterstützer

Im Folgenden finden Sie von namhaften deutschen und ausländischen Historikern bzw. Geschichtsinteressierten Anmerkungen zum geplanten Vorhaben, das historische Ensemble zu schleifen:

 

Stadtmauern bilden die Grenze zwischen einer Stadt und ihrem Umland. Mauern, Türme und Tore gewährten den Bürgern und Einwohnern der von ihnen umgebenden Siedlungen militärischen Schutz, der allerdings im Spätmittelalter mit der Einführung von Pulverwaffen immer problema-tischer wurde. Stadtmauern gehören zu den wichtigsten Kriterien einer mittelalterlichen Stadt und finden sich häufig noch – so auch in Witzen-hausen – als stilisiertes Bild in heutigen Stadtsiegeln und Stadtwappen.

Witzenhausen, eine v.a. im Spätmittelalter bedeutende Stadt, kann sich glücklich schätzen, noch einen beachtlichen Teil des inneren Mauerringes mit zwei Rund- und einem Schalenturm zu besitzen. Wenn man allerdings den heutigen Erhaltungszustand der Stadtmauer mit den ältesten Stadtansichten aus dem 16. Und 17. Jahrhundert vergleicht, so erkennt man schnell, wie viel von den früheren Mauern und Türmen abgerissen, beseitigt und verschwunden ist. So blieb beispielsweise keines der Stadttore erhalten.

Neben der Liebfrauenkirche und der Michaelskapelle ist, abgesehen von verbauten Resten des Wilhelmitenklosters, die Stadtmauer das einzige Bauwerk, das noch an die mittelalterliche Geschichte Witzenhausens erinnert. Sie muss daher unbedingt in ihrem gesamten heutigen Umfang erhalten bleiben und darf nicht modernen Bauvorhaben in Teilen geopfert werden.

Im Sinne meines Großvaters, Rechtsanwalt Wilhelm Eckardt, der sich vehement für die Erhaltung der Stadtmauer eingesetzt hat, und meines Vaters, Prof. Dr. Karl August Eckhardt, der zahlreiche Bücher und Aufsätze zur Geschichte seiner Vaterstadt veröffentlicht hat, befürworte ich wärmstens den unveränderten Erhalt der Witzenhäuser Stadtmauer. Der geplante Rückbau eines größeren Mauerstücks würde einen unwiederbringlich großen Verlust für die Stadt Witzenhausen bedeuten.

Prof. Dr. Albrecht Eckhardt - Leitender Archivdirektor a.D. des Staatsarchivs Oldenburg - Edewecht - 

Die Stadtmauer ist so sehr Symbol der Stadt, dass zahlreiche Städte in Hessen die Mauer mit und ohne Türme und Tore in ihr Stadtsiegel aufgenommen haben. So zeigt auch das zuerst im Jahr 1247 überlieferte älteste Stadtsiegel von Witzenhausen dieses Merkmal der vollentwickelten Stadt im Siegelbild: die zinnenbewehrte Stadtmauer, überragt von einem zinnenbekrönten größeren Turm zwischen zwei spitzbedachten kleinen Türmen (vgl. Wilhelm A. Eckhardt, Witzenhausen. Vom Marktort zur Handelsstadt, 1975, S. 12f.). Witzenhausen war demnach 1247 bereits ummauert und darf sich glücklich schätzen, einen ansehnlichen Teil der Stadtmauer des 13. Jahrhunderts bis heute bewahrt zu haben.

Es ist unbegreiflich, dass man ein so geschichtsträchtiges Kulturdenkmal jetzt leichtfertig opfern will, statt es als Ganzes in die Neubaupläne einzubeziehen.

Dr. Wilhelm A. Eckhardt, Leitender Archivdirektor a.D., Marburg an der Lahn



Selbstverständlich unterstütze ich das Anliegen der Witzenhäuser Aktion gegen Abtrag oder Beschädigung der Stadtmauer.

Hier geht es um den Erhalt eines eingetragenen Kulturdenkmals, welches wesentlich die Identität der Stadt prägt und ein einzigartiger Beleg der Historie ist. Das Interesse eines Bauträgers muss hier zwingend hintenan stehen.

Zu empfehlen wäre die Einbeziehung des entsprechenden Mauerabschnittes in die neue Freiflächengestaltung des Bauvorhabens, am besten mit (teil-)öffentlicher Zugangsmöglichkeit. Beispiele, wie so etwas gut umgesetzt wurde, gibt es viele. […]

Bernd Maisel - Architekt f. Stadtplanung AKT - Weimar -



Deutschlandweit ist eine immer geringer werdende Wertschätzung für historische Zeitzeugen zu beobachten. Wendebedingt sind die nicht mehr ganz so neuen Bundesländer besonders betroffen, aber das kann kein Trost sein.

Stadtmauern blieben bislang vom Abriss verschont, hüben wie drüben. Selbst Städte, die ansonsten recht ruppig mit ihren historischen Schätzen umgehen, sind stolz auf ihre Stadtmauern und erhalten sie. Umso mehr muss die Nachricht aus Witzenhausen beunruhigen.

Stadtmauer kontra Altenpflegeheim? Plant der Investor eine reine Verwahranstalt mit durchgestylter Nützlichkeit? Weiß ausgerechnet das DRK nicht, dass alte Menschen Altes lieben, Altes brauchen als „Identitätsanker“ in einer für sie recht kalten Gegenwart? Müsste nicht gerade der Planer für ein Altenpflegeheim alles daran setzen, um ein benachbartes Denkmal zu erhalten und als Erlebniselement in das Umfeld der Alten zu integrieren?

In Mecklenburg-Vorpommern gab es und gibt es noch immer viel Verluste von historisch wertvollen Baudenkmalen. Umso mehr beunruhigt hierzulande, dass es nun sogar Stadtmauern treffen soll.

Aber wir haben in Mecklenburg auch einige wenige positive Beispiele dafür, dass man Altes nicht nur bewahren, sondern gegebenenfalls sogar wertschöpfend in neue Nutzungen integrieren kann. Deshalb lade ich die interessierten Witzenhausener kurzerhand zu einem Wochenendausflug nach Mecklenburg ein:

  • Besuchen Sie am Sonnabend das Kloster Dobbertin (http://www.kloster-dobbertin.de/cms/historisches-kloster/touristeninformation-baudenkmal), das unter der Verantwortung des Diakoniewerkes Kloster Dobbertin über 200 geistig behinderten Menschen eine Heimstatt bietet und zugleich auf das Engagierteste denkmalpflegerisch saniert und erhalten wird.
  • Fahren Sie am Sonntag weiter nach Rostock, wo ein vom Verfall bedrohtes ehemaliges Katharinenstift auf unglaublich glückliche Art in die Rostocker Hochschule für Musik und Theater (HMT) integriert wurde (mit 400 Studienplätzen, Konzertsaal einschl. Vollbühne und Obermaschinerie, Kammermusiksaal, Orgelraum, Probebühnen, Tonstudios, Unterrichts- und Übungsräumen!). Informationen zur HMT und zum Bau finden Sie auf http://www.hmt-rostock.de/ und im Buch „Glücksmomente, Zur Einweihung der Hochschule für Musik und Theater Rostock im Jahre 2001“, ISBN 3-86167-113-1.

Wenn Sie als Gruppe kommen, lassen sich sicherlich Arbeitsgespräche mit den Architekten, Planern, Betreibern organisieren... Vor allem aber: Erhalten Sie sich und allen Besuchern von Witzenhausen Ihre Stadtmauer!

 

Dr. Günter Hering – Regionalplaner, Rostock -



Es ist vorgesehen, hinter der Stadtmauer ein Altenheim zu errichten und dabei die Stadtmauer zum Teil abzutragen, um eine bessere Sicht vom Altenheim zu ermöglichen.

Die 70m lange Stadtmauer mit Wehrturm aus dem 14. Jahrhundert ist 3m hoch und weist eine Stärke von 1,40m auf. Sie ist noch – oder wieder – völlig intakt. Diese Stadtmauer ist unbestritten ein Denkmal (ob gesetzlich geschützt oder nicht) von örtlicher und überörtlicher Bedeutung.

Grundsätzlich gehören solche Denkmäler erhalten, denn sie erinnern an das Sicherheitsbedürfnis und an die Wehrhaftigkeit der Stadt. Solche Erinnerungen sollte man nicht, auch nicht teilweise, beseitigen.

Prof. Detlev Simons – Hochschullehrer u. Architekt, Stuttgart –



Prof. Dr. Gerhard Henkel - Kulturgeograph, Fürstenberg/Westfalen



Prof. Hans-Georg Stephan - Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg - Institut für Kunstgeschichte und Archäologien Europas -

Philip A. Turner, Past President of the European Council for the Village and Small Town (ECOVAST) supports the efforts to avoid damage to the significant portion of the historic town wall of Witzenhausen. Small towns have an important role throughout Europe in sustaining their heritage, and where ancient town walls and towers survive, they should be protected and conserved. A  contribution to the retention and restoration might be expected from any developer or owner of the adjacent site.

Philip A. Turner – Architect and Planner (retired), Director of the Hampshire Buildings Preservation Trust, Winchester/UK –



Unterstütze gemeinsam mit meiner Frau Silvia Mayer die Initiative zur Rettung der Stadtmauer in Witzenhausen.

Als Angewandter Geograph sowie als Vorsitzender von ECOVAST AUSTRIA habe ich mich intensiv mit Fragen des natürlichen und kulturellen Erbes auseinandergesetzt. Hier ist vielleicht die Argumentation hilfreich, dass Kraft der enormen Vitalität der Natur auch Lebensräume aus zweiter Hand nach relativ kurzer Zeit wieder einigermaßen intakt sind. Beispiele dazu sind die Rekultivierungen der Braunkohle-Tagebaue in den Neuen Bundesländern, die Renaturierungen im Ruhrpott in den alten Bundesländern oder die positiven Wiederaufforstungsprojekte der devastierten Karstgebiete in Dalmatien.

Abgetragene Bauwerke sind aber für immer verloren. Selbst die wenigen wiederaufgebauten Bauwerke, wie z. B. die Frauenkirche in Dresden, weisen zwar auf den Wiederaufbauwillen der Gemeinschaft hin, atmen aber nicht den Geist der Ursprünglichkeit und der Authentizität. Diesen genius loci des Erinnerungsortes als Kulturdenkmal der Lokal-, Regional- oder Nationalgeschichte weist weder eine virtuelle Rekonstruktion noch ein Disneyland-Nachbau auf.

Die große Verantwortung sowie Ihr Engagement zum Erhalt des kulturellen Erbes ist aus Ihrer Bürgerinitiative für mich einerseits als Geograph und damit Integrativwissenschaftler sowie anderseits aus persönlicher Sicht sehr gut nachvollziehbar. Umgekehrt ist es unsinnig, über unsere (Kultur-)landschaft um jeden Preis eine Käseglocke stülpen zu wollen. Es bedarf daher immer einer Interessenabwägung, die als Ferndiagnose im gegenständlichen Fall aber unseriös wäre.
Was ich anrege, ist eine seriöse Interessenabwägung durch die zuständigen Autoritäten und Gutachter. Gegebenenfalls stehe ich gerne als einschlägig beeideter Gerichtsgutachter zur Verfügung.
Hinweisen möchte ich in diesem Zusammenhang, dass derartige Erinnerungsorte, wie die gegenständliche Stadtmauer, ganz wichtige Brennpunkte für das kollektive Gedächtnis einer Gemeinschaft (im gegenständlichen Fall: Kommune) sind. Schreibe eben einen Aufsatz über Erinnerungstourismus, in dem ich diese Frage thematisiere (Zusammenfassung im Anhang 1).

Ich wünsche Ihrer Initiative viel Erfolg, vor allem aber ein besseres Verständnis von Seiten der Politik und Verwaltung. Für mich als Außenstehender ist nicht ganz nachvollziehbar, warum ein Altenheim gerade an einem so geschichtsträchtigen Ort, wie den letzten Rest einer Stadtmauer, errichtet werden muss. Wesentlich vernünftiger halte ich eine Aufbereitung als lokales/regionales Freilichtmuseum, um auch zukünftigen Generationen den Hauch von ehemaliger Macht und Vergänglichkeit im Original vermitteln zu können (Anhang 2).

Dr. Gerhard L. Fasching - Geograph, Brigadegeneral a. D. , Tulln/ Österreich –



Anhang 1
FASCHING_2012.pdf
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Anhang 2
ECOVAST.pdf
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This is to state my expert support to the working group for Cultural Heritage Witzenhausen related the concerns about the preservation of the Town Wall in Witzenhausen. This more than 600 years old wall is endangered by recent plans for intervention by projects developers who want to pull it down (partly completely and the rest to the hight of up to 1 m), which was even agreed upon by the local Conservation of Monuments and Historic Buildings authorities.

From the part of ECOVAST it can be suggested further expert negotiations regarding the historical and cultural importance of present remains of the Town Wall as well as presenting in detail the problem to the public, the citizens of Witzenhausen, who should be made aware of their heritage and of the reasons for such action: Why the demolition of this old wall is needed? Is there another solution?

If the medieval Town Wall together with its Tower has survived so long – is this not reason enough to try and save it further? Certainly a proper agreement between the developers and conservationists can be achieved – so that the new building (a nursing home) is made carefully so that the wall is left as it is (correctly conservated and ensured) – for the benefit of all.

Tihana Fabijanic – Sozial Anthropologin u. Regionalplanerin, Rijeka/ Kroatien, Vizepräsidentin von Ecovast International -