Witzenhausen und seine Mühlen

Innerhalb von mittelalterlichen Stadtbefestigungen gab es neben Brunnen immer ein Fließgewässer mit Mühlen, um im Belagerungsfall weiterhin Mehl mahlen und Brot backen zu können. In Witzenhausen wurde im Mittelalter dafür ein relativ aufwendiges Wasserbauwerk erstellt, die Mühlengelster. Sie versorgte mehrere Wassermühlen mit Energie, um schwere mechanische Arbeit zu erleichtern.
Der Mühlstein im Kaffeegarten der Bäckerei in der Gelsterstraße ist einer der letzten Zeugen des Mühlenwesens in Witzenhausen.

Mühlstein der Obermühle - heute nur Dekoration

Auf der Spurensuche nach der historischen Mühlengelster und deren Säge- und Mahlmühlen hat sich Karl-Ludwig Dierksen von der "Arbeitsgruppe Kulturerbe Witzenhausen" begeben. Die Ausstellung zu diesem Thema fand am "Tag des offenen Denkmals" am 13. September 2015 im Rathaussaal in Witzenhausen statt.

Erklärungen der Geschichtsinteressierten machten die Schautafeln lebendig (Foto: H. Gädtke)

Mithilfe von Bildern, Texten, Modellen und Geschichten wurden den Besuchern - klein und groß - diese hundertjährige Sozial- und Stadtgeschichte nähergebracht. Neben dem Verlauf der ehemaligen Mühlengelster und den Standorten der Mühlen wurde an Beispielen verschiedener Wassermühlen die jeweilige Technik erläutert.

Karl-Ludwig Dierksen (rechts) führt Interessenten das Bokemühlen-Modell vor (Foto: H. Gädtke)

Das Mühlenmodell von Innen: Mithilfe einer Nockenwelle wird die Drehbewegung des Mühlrades in Vertikalbewegungen der Stampfer umgewandelt. Dies machte man sich beispielsweise bei Poch- und Bokemühlen zunutze. In Ersterer wurde das Erz zerstampft und ersetzen so einen bislang sehr kraftaufwendigen Arbeitsgang. Bokemühlen ersetzten die Handbreche zur Herstellung von Leinen. Dabei wurden die gerösteten und getrockneten Flachsstengel durch das sogenannte ‚Boken‘ weichgeklopft, um den Bast der Flachsfaser bloßzulegen.

Einige Fotos der Mühlengelster riefen bei den Besuchern Erinnerungen an alte Zeiten wach und waren Basis für interessante Gespräche. Für Viele bereichernd waren auch die kleinen Geschichten rund um die Obermühle, die Hubertus Erner einmal zusammengetragen hat. Hier eine der netten Anekdoten (zum Vergrößern, Text anklicken):

 

Ehemalige Untermühle mit Mühlengelster (Foto: Deutsche Institut für Tropen- und Subtropen)
Mahlstuhl einer Wassermühle, wie sie in Witzenhausen hätte stehen können (Foto: Archiv K.-L Dierksen)

Mühleninfos nun im Schaufenster

Drei Schautafeln der Mühlenausstellung sind nun vom Foyer des Rathauses in die Mühlstraße 11 umgezogen und schmücken dort ein leer stehendes Schaufenster (direkt gegenüber des Capitols).

Infos zu den Mühlen Witzenhausens passenderweise nun in der Mühlstraße

Die vielen Fotos, informativen Texte und Anekdoten über den historischen Verlauf der Mühlengelster und ihren ehemaligen, verschiedenen Mühlen sowie deren Technik, die Karl-Ludwig Dierksen mit viel Herzblut zusamengestellt hat, sind nun dort ausgestellt. Schauen Sie doch mal vorbei!

Die Gelster und ihre Mühlen, eine der drei Schautafel

Wir freuen uns, für unsere Schautafeln über die Mühlen Witzenhausens einen so passenden Standort nutzen zu dürfen und bedanken uns sehr herzlich bei den Eigentümern des Ladengeschäfts!