Verborgene Juwelen neu entdecken

Denk mal an die Stadtmauer

Der noch in Teilen erhaltene innere Ring der Stadtmauer umrahmt wie eh und je den historischen Stadtkern von Witzenhausen, meist verborgen unter Buschwerk und Efeu. Der Blick auf die historische Bedeutung und das kulturelle Erbe dieses Denkmals lädt ein, die steinernen Zeitzeugen in das städtische Leben zu integrieren. 

Stadtmauer im Privatgarten

Im Rahmen der Entdeckertage GrimmHeimat Nordhessen lud unsere ‚Arbeitsgruppe Kulturerbe Witzenhausen‘ gemeinsam mit dem Bürgerverein zur Förderung der Bau- und Wohnkultur in Witzenhausen e.V.‘ am 19. Juli 2015 zu einem Fest ein, um auf die fast vergessene Stadtbefestigung aus dem 13. Jahrhundert in Witzenhausen aufmerksam zu machen.

 

Stadtmauer im Alten Stadtpark

Im Alten Stadtpark an der Stadtmauer waren verschiedene Aktionen und Informationsangebote zum Thema rund um die Stadtmauer geplant, z.B. Führungen zu verborgenen Stadttürmen, ein Expertengespräch und eine Demonstration zur Stadtmauersanierung, Ideen zur Integration der Stadtmauer in moderne Architektur sowie Infos zur Geschichte der damaligen Stadtbefestigung mit deren Türmen und Toren. Auch der  ehemalige Verlauf der Mühlengelster mit ihren Mühlen stand im Mittelpunkt.

 

Aufgrund starker Gewitter, Sturmböen und Unwettervorhersagen am Morgen entschied man sich, das Fest abzusagen. Mit aufhellendem Wetter fand sich jedoch am Nachmittag  zur geplanten Stadtmauerführung zu den verborgenen Stadttürmen eine größere Gruppe interessierter Gäste ein, sowohl aus Witzenhausen als auch aus anderen Orten.

Gustav Störmer führte die geschichtsinteressierte Gruppe an bekannte und weniger bekannte Plätze, wobei die rege Truppe immer wieder mit eigenen Beiträgen den Rundgang bereicherte, der im Alten Stadtpark am ehemaligen "Walburger Tor" begann. Von dort aus führte damals der wichtige Fernweg nach Walburg, der von dort Anschluss an die bedeutende Handelsstraße von Kassel nach Leipzig fand. 

Hier floss früher die historische Mühlengelster, kurz vor dem Durchgang durch die Stadtmauer (Foto: H. Gädtke)

Weitere Stationen war der Durchgang der ehemaligen Mühlengelster durch die Stadtmauer, oberhalb der heutigen Gelsterstraße. Mit der Wasserenergie wurden in der Stadt vier Mühlen betrieben, mit kaum ersetzbarer wirtschaftlicher Bedeutung für die Stadt. Die Arbeitsweise der vier Mühlen wurde durch  Beiträge aus der Gruppe genauer erklärt.

Der Schalenturm an der Wickfeldtstraße ist der einzige erhaltene Wehrturm der Stadtmauer. Seine Bauweise lässt Schlüsse auf die der Stadtmauer zur Zeit der Vollbefestigung zu. 

 

Vom Rundgang gern angenommen  wurde eine Bewirtung mit Kaffee und Kuchen durch das angrenzende Seniorenheim des Roten Kreuzes. Während der Pause gab Gustav Störmer  für die zusammen gekommenen Seniorinnen und Senioren einen Rundblick über den Aufbau und die Bauwerke der Stadtmauer.

(Foto: K.-L. Dierksen)

Ausführlich diskutiert wurde der Verlauf der Stadtmauer und der Mühlengelster auf dem Gelände des ehemaligen Wilhelmitenklosters, heute Standort der Universität. Die Mühlengelster verlief unter beiden Seitenflügeln der Klosteranlage hindurch und dann abgewinkelt auf die Mündung unter der Werrabrücke zu.

Der normalerweise verborgene Eulenturm (Foto: H.Gädtke)

Abschluss des Rundganges war der Eulenturm, der neben dem Diebesturm ein Gefangenenturm der Stadt war. Der Turm konnte vom angrenzenden Garten der von Bodenhausen aus im Inneren besichtigt werden. Danach endete mit weitergehenden Diskussionen der Rundgang nach 3 ½ Stunden.

Eine seltene Gelegenheit: Der Eulenturm darf betreten werden! (Foto: H. Gädtke)
Programm Juwelenfest.pdf
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